Wer sind die Nuba?

Das Wort Nuba bedeutet «Gold». Dieses Wort bezieht sich heute auf Menschen, die im geographischen Süden Sudans leben.

 

Frühe Geschichte

Der Ursprung der Nuba ist nicht zweifelsfrei geklärt. Wahrscheinlich ist, dass sie ursprünglich in tief gelegenem Gelände gelebt hatten, bevor sie sich, wohl um Überfälle von Sklavenjägern zu entgehen, in die Berge zurückzogen. Dafür sprechen eigene Überlieferungen. Sie gehören laut Wikipedia zu den drei grössten nicht-arabischen Bevölkerungsgruppen im Sudan und sind die Nachkommen vom Kusch, Königreich im achten Jahrhundert. Sie sind eine Mischung aus mehreren verschiedenen Kulturen und Sprachen.

Über tausende Jahre haben die Nuba den grössten Teil der Region besetzt, die heute als Kordofan Provinz bekannt ist. Aber wegen erfolgreichen Attacken von verschiedenen arabischen Stämmen, die ab dem 16. Jahrhundert n.Chr. in den Sudan eindrangen, zogen sich die Nuba in die Berge im Südkordofan zurück. Dieses wurde ihr permanentes Heimatland und trägt deshalb auch den Namen Nuba Berge.

Während der britischen Herrschaft über den Sudan (1896-1956 n.Chr.) war die Region der Nuba Berge eine eigenständige Provinz mit eigener Administration und Talodi als Hauptstadt bis zu deren Verschmelzung im 1929 n.Chr. ins grössere Kordofan. Diese Situation blieb bestehen bis kurz vor der Unabhängigkeit im Jahre 1956 n.Chr.

Es gibt keine Zweifel darüber, dass es die Afrikaner waren, die die grosse menschliche Zivilisation in der Vergangenheit der sudanesischen Geschichte bestimmten. Heute gibt es über fünfzig Nuba-Stämme, die genauso viele unterschiedliche Sprachen sprechen. Traditionell sind Nuba’s Bauern, aber heute sind sie engagiert in allen Bereichen der Gesellschaft.

 

Kolonialzeit und Islamisierung

Im 19. Jahrhundert, besonders während der türkisch-ägyptischen Herrschaft und bis zur Herrschaft des Mahdi, blühte der Handel mit Nuba-Sklaven, der von den arabischen Baggara als Zwischenhändler betrieben wurde. Viele Nuba zogen sich deshalb in entlegene Bergregionen zurück. Die britische Kolonialmacht versuchte die Nuba zur Rückkehr aus den Bergen zu bewegen und die Beziehungen zu den Arabern zu verbessern, indem sie ab 1922 das Gebiet isolierte. Arabische Händler benötigten nun eine besondere Erlaubnis, um in das Gebiet zu gelangen. 1937 wurde die Isolation aufgehoben und der Region Nord-Kordofan angeschlossen. Die Nuba litten weiterhin unter struktureller Benachteiligung aufgrund mangelnder Bildung und Unterentwicklung. Eine aggressive Assimilierungskampagne des arabischen Nordens ließ viele Nuba zum Islam übertreten. Während des ersten Bürgerkriegs im Süden des Sudans, der mit der Unabhängigkeit Sudans 1956 begann, blieben die Nuba neutral und schlossen sich nicht dem Süden an.

Ab den 1980er Jahren wurden die Nuba jedoch vermehrt in den Zweiten Sezessionskrieg hineingezogen. Nuba griffen auf Seiten der traditionell im angrenzenden Ölfördergebiet Abyei siedelnden Volksgruppe der Ngok-Dinka in den Konflikt mit den dortigen Misiriya-Arabern (Baggara) ein.

General Omar al-Bashir hatte nach seiner Machtübernahme 1989 die Popular Defence Forces (PDF) ins Leben gerufen, eine Armee, deren Rekruten den Heiligen Krieg gegen den Süden führen sollten. Diese Armee griff in den Nuba-Bergen auch die muslimische Bevölkerung an, zerstörte Moscheen und ermordete die Männer, während Frauen und Kinder als Sklaven in den Norden verschleppt wurden (siehe Buch Sklavin von Mende Nazer). Ganze Dörfer wurden dabei ausgelöscht und die Stammesführer getötet. In einer Konferenz im April 1992 in Khartoum, an der 120 regierungstreue Stammesführer teilnahmen, gab der Gouverneur von Kordofan eine Wiederaufnahme des Dschihad in der Provinz Kordofan bekannt.

Zu erneuten Unruhen kam es Anfang 2011 nach dem Unabhängigkeitsreferendum des Südsudan. Der Sudan erkannte die Unabhängigkeit des Südsudan zwar an, die Grenzstreitigkeiten waren damit jedoch nicht beigelegt. Die geplanten Volksbefragungen zur politischen Zugehörigkeit der Nuba-Berge, der Region Abyei und des Bundesstaats Blauer Nil fanden bisher nicht statt. Alle drei Gebiete gehören weiterhin zum Sudan. Seither kämpft die militärische Untergrundorganisation Sudan People's Liberation Movement-North (SPLM-N), eine Abspaltung der SPLM, für eine Ablösung der Region vom Sudan. Viele Bewohner sind geflüchtet. Die sudanesische Regierung reagiert auf Angriffe der SPLM-N mit der anhaltenden Bombardierung der Nuba-Berge, wobei laut Aktivisten auch Krankenhäuser und die Zivilbevölkerung Ziel der Bomben sind.

 

Heute in den Bergen

Unter dem Oberbegriff Nuba werden rund neunzig Prozent der Bevölkerung der Region zusammengefasst. Man versteht darunter rund fünfzig schwarzafrikanishce, Ackerbau treibende Volksgruppen, die ebenso viele unterschiedliche Sprachen sprechen, welche sich in zehn Sprachgruppen unterteilen lassen. Die übrigen zehn Prozent sind um 1800 n.Chr. aus dem Norden eingewanderte arabische Viehhirten, die Baggara genannt werden und aus den beiden Gruppen der Hawazma- und Misiriya-Araber bestehen. Die kleine Minderheit arabischer Händler heisst im Volksmund "Jellaba". Von der Bevölkerung in den Nuba-Bergen sind etwa sechzig Prozent Bauern, die auf kleinen Parzellen Subsistenzlandwirtschaft und etwas Viehzucht betreiben. Dreissig Prozent sind halbnomadische Viehzüchter, acht Prozent betreiben Landwirtschaft als Grossbauern. Das Verhältnis zwischen Nuba und Baggara ist nach wie vor belastet. Allgemein gibt es einen Konflikt um Landrechte.

 

Flucht in die Städte

In den vergangenen 60 Jahren war und ist Kordofan und im Speziellen die Darfur-Region, das Zuhause eines grossen Teiles der Nuba-Bevölkerung, Schauplatz andauernden Krieges. Die Anfänge gehen in die späten 1950er Jahre zurück nachdem Sudan seine Unabhängigkeit erklärte und ging weiter mit dem Sezessionskrieg, Kämpfe zwischen lokalen Clans und der Tyrannei von Omar al-Bashir. Viele Nuba’s flüchteten aus den Bergen in die Städte, vor allem in die Hauptstadt Khartoum. Sogar als Binnenflüchtlinge wird ihnen kein umfassender Zugang zu den lokalen Institutionen gestattet. Sie müssen sich selbst organisieren und sind in ihrem alltäglichen Leben oft auf externe Hilfe angewiesen. Darum ist die einfache Schule, welcher wir beim Aufbau unterstützen, so wichtig für die Zukunft der geflüchteten Nuba in Khartoum.

 

Weiterführende Literatur

«Befreit – die Heimkehr der Sklavin» von Mende Nazer

«The Nuba Mountains: Central to Sudan's Stability» von IKV Pax Christi CPA alert, 3 Feb 2011, PDF zum Herunterladen auf https://www.cmi.no/news/787-the-nuba-mountains-central-to-sudans-stability [10.03.2019]

«Tochter der schwarzen Berge» von Mende Nazer

«Sklavin – Gefangen Geflohen Verfolgt» von Mende Nazer

«Weit gegangen» von Dave Eggers